KIRCHENSCHIFF
Seitenaltäre
Seitenaltäre der Jungfrau Maria (1) und des hl. Kreuzes (2)
Mayer'sche Hofkunstanstalt München – Holz – Ende des 19. Jahrhunderts
Wahrscheinlich an der Wende der 80er zu den 90er Jahren wurde in der Mayer'schen Hofkunstanstalt, die sich auf Kirchenmobiliar spezialisierte, ein Paar neugotische Altäre für die Seiten des Triumphbogens bestellt. Sie sind reich verziert mit geschnitzten gotischen Motiven wie Fialen, Krabben und Maßwerk, im Mittelpunkt steht jeweils eine Dreiergruppe von Statuen. Auf dem Marienaltar wird die Jungfrau Maria vom hl. Aloisius von Gonzaga und dem hl. Joseph begleitet. Auf dem gegenüberstehenden Altar des hl. Kreuzes befindet sich der Kalvarienberg, also der gekreuzigte Christus mit der Schmerzensmutter und dem hl. Johannes.
Aus der Mayer'schen Hofkunstanstalt stammen auch die Statuen für den Altar der hl. Anna und das Paar der Statuen, die bei den Seitenaltären stehen, und zwar Antonius von Padua und Franz von Assisi, gekauft im Jahre 1924.
Seitenaltäre des hl. Johannes Nepomuk (3) und des hl. Joseph (4)
Johannes Bochenek – Öl auf Leinwand – um 1880
Pfarrer Jáchym Richtarský (1830–1887; im Amt ab 1872) war ein Freund und Mäzen der gebürtigen Hultschiner, des Bildhauers Johannes Janda (1827–1895) und des Künstlers Johannes Bochenek (1831–1909). Um das Jahr 1880 bestellte er bei Bochenek einen Bilderzyklus für die Kirche der hl. Margareta (die Bilder wurden während des Brandes der Kirche im April 1945 zerstört) und für die Pfarrkirche des hl. Johannes des Täufers. Auf dem Hauptaltar und den Seitenaltären wurden die ursprünglichen, schon beschädigten Leinwände durch neue ersetzt. Die Bilder auf den Seitenaltären des hl. Johannes Nepomuk und des hl. Joseph haben Rokokorahmen, wahrscheinlich aus den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts. Bei der Erneuerung wurden also die neuen Leinwände von Bochenek im späten nazarenischen Stil in die Rahmen eingepasst.

Grabsteine an der Südseite des Kirchenschiffs
Sandstein – 30er Jahre des 16. Jahrhunderts
Ein Paar von Gedenksteinen, die in die Mauer auf beiden Seiten des Eingangs zur Kapelle des Erzengels Michael eingelassen sind, stellt das älteste Werk aus dem Ensemble der erhaltenen Renaissancegrabsteine in der Kirche dar. Beide sind aus Sandstein in Form rechteckiger Platten gefertigt und tragen in ihrer Mitte ein Familienwappen. Um den Umfang verläuft eine altczechische Inschrift, die in linearer gotischer Minuskelschrift eingemeißelt ist. Die gleiche Ausführung beider Steine deutet darauf hin, dass sie gleichzeitig von einer einzigen Werkstatt angefertigt wurden, und zwar im Auftrag von Bernhard von Zvole, der das Andenken seiner zweiten Ehefrau Margarethe († 1522) und seiner Schwester Katharina († 1533) ehren wollte. Gerade der Tod seiner Schwester Katharina war das Motiv zur Anfertigung beider Grabsteine.
Grabstein von Margareta von Zwole und Alt Gleiwitz
Sandstein – 30er Jahre des 16. Jahrhunderts
Margareta († 1522) stammte aus dem Geschlecht der Nawoy von Alt Gleiwitz und wurde zur zweiten Ehefrau des Hultschiner Gutsbesitzers, Bernhard von Zwole. Das Geschlecht der Nawoy hatte im Wappen einen Vogelfuß oder Fang, der auch als Kleinod oben auf dem Helm und der Helmdecke vorkommt. Drumherum windet sich die Inschrift:
Am Freitag nach Christihimmelfahrt Anno Domini 1522 ist die adelige Frau Margareta von Zwole und Alt Gleiwitz verstorben, die hier beerdigt ist – betet für sie zu Gott dem Herrn.
Orgel
Kánský-Brachtl – 2006
An der Wende der 50er zu den 60er Jahren des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche dank großzügigen Spenden des Grafen Johann Georg von Gaschin († 1657) nicht nur mit neuen Altären, sondern auch mit einer Barockorgel versehen. Ihr Gehäuse zierten reiche Schnitzereien von Akanthuswerk und sich in vielen Spiralen gewundene Bänder. Die plastische Verzierung ergänzten Fruchtgirlanden und Wappentafeln beider Stifter – des Grafen Johann Georg von Gaschin und seiner Gemahlin Anna Maria von Oppersdorff (1623–1663). Diese wertvolle frühbarocke Orgel ist nicht erhalten. Ihre Pfeifen wurden zusammen mit den Kirchenglocken während des Ersten Welktriegs requiriert. Nach dem Krieg wurde die Kirche erneuert und beim deutschen Orgelbauer Paul Berschdorf (1859–1933) aus Neisse eine neue Orgel bestellt, die im Jahre 1922 geweiht wurde. Berschdorf schuf ein völlig neues Orgelgehäuse, das ornamentale Schnitzereien der alten Orgel zierten. Weder der Aufbau des Orgelgehäuses noch seine künstlerische Gestaltung waren besonders gut gelungen. Wegen des schlechten technischen Zustands war Ende des Jahrtausends eine Reparatur notwendig. Die Pfarrei und Stadt entschieden sich jedoch für ein ganz neues Instrument, das so konstruiert wurde, dass es weitestmöglich dem Ton und der Stimmung der Barockorgel entsprach (Kánský-Brachtl, 2006). Als Muster für die künstlerische Ausgestaltung diente das Orgelgehäuse in der Kirche von der Verklärung des Herrn in Bösing. Das dortige Gehäuse stammt aus dem Jahre 1662, also aus etwa derselben Zeit wie die ursprüngliche Ausstattung der Kirche in Hultschin.
Unter der Brüstung der Empore stehen Statuen der hl. Elisabeth von Thüringen und der hl. Hedwig von Schlesien auf Konsolen. Wie auch die anderen bildhauerischen Verzierungen aus dem 19. Jahrhundert stammen auch diese Statuen aus der Mayer'schen Hofkunstanstalt München und standen ursprünglich auf dem Altar der hl. Anna in der Seitenkapelle.
Blick zur Empore, historische Fotografie, 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts.